Kulmhof
Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno nad Nerem)
Das Vernichtungslager Kulmhof in Chełmno nad Nerem war das erste nationalsozialistische Lager, das ausschließlich der systematischen Ermordung von Menschen diente. Ab Dezember 1941 betrieben, wurde es in zwei Phasen genutzt – bis April 1943 sowie erneut von Sommer 1944 bis Januar 1945. In dieser Zeit wurden hier rund 200.000 Menschen ermordet.
Die Opfer stammten vor allem aus dem Wartheland und dem Ghetto Łódź, darunter Jüdinnen und Juden, Roma, polnische Zivilisten und sowjetische Kriegsgefangene. Kulmhof gilt damit als Vorläufer der späteren Vernichtungslager Sobibor, Treblinka und Belzec, in denen die Täter ihre Methoden weiterentwickelten.
Heute befindet sich am historischen Ort die Gedenkstätte Kulmhof, die an die Opfer erinnert, ihre Geschichte dokumentiert und als Lernort dazu beiträgt, Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft zu übernehmen.
Führungen und Organisation zum Gedenkort Kulmhof (Chełmno nad Nerem)
Ein Besuch der Gedenkstätte Kulmhof in Chełmno nad Nerem ist eine eindringliche und zugleich wichtige Erfahrung. Um die Geschichte des ersten nationalsozialistischen Vernichtungslagers und seine Rolle bei der Entwicklung der systematischen Massenmorde zu verstehen, bieten wir professionell organisierte Führungen an.
Individuelle Führungen
Für Einzelpersonen oder kleine Gruppen gestalten wir Führungen, die sich inhaltlich an den Bedürfnissen der Besucher orientieren. Dabei geht es sowohl um die historischen Hintergründe als auch um die persönliche Auseinandersetzung mit dem Ort.
Gruppenreisen und Bildungsfahrten
Schulklassen, Vereine oder Organisationen können auf Wunsch eine umfassend geplante Bildungsreise nach Chełmno nad Nerem erhalten. Dazu gehören neben der Führung durch die Gedenkstätte auch vorbereitende Informationen sowie eine gemeinsame Reflexion im Anschluss.
Organisation und Unterstützung
Wir unterstützen dich bei der gesamten Organisation deines Besuchs:
Abstimmung der Reiseroute
Planung von Transfers und Unterkünften
Begleitung während der Führung
Bereitstellung von Materialien zur Nachbereitung
Geschichte des Vernichtungslagers Kulmhof
Vorgeschichte und Errichtung
Kulmhof nahm im Dezember 1941 seinen Betrieb auf – und damit noch vor der Wannsee-Konferenz im Januar 1942, bei der die nationalsozialistische Führung die „Endlösung“ bürokratisch koordinierte. Der Standort war ein abgelegenes Gutshaus nahe Chełmno, abgeschirmt und zugleich verkehrsgünstig gelegen. Erster Kommandant war SS-Hauptsturmführer Herbert Lange, der zuvor im Rahmen der „Aktion T4“ an der Ermordung von Menschen mit Behinderungen beteiligt gewesen war. Seine dort gesammelten Erfahrungen übertrug er auf den Massenmord in Kulmhof. Ab März 1942 übernahm Hans Bothmann die Lagerleitung.
Mordmethoden
In Kulmhof setzten die Nationalsozialisten erstmals systematisch Gaswagen ein. Die Opfer wurden in Lastwagen getrieben, deren hermetisch abgeschlossene Laderäume mit Motorabgasen gefüllt wurden. Innerhalb weniger Minuten starben die Eingeschlossenen durch Kohlenmonoxidvergiftung. Die Leichen wurden im nahegelegenen Rzuchowski-Wald zunächst verscharrt, später exhumiert und verbrannt, um Spuren zu verwischen.
Erste Phase (1941–1943)
Zwischen Dezember 1941 und April 1943 wurden zehntausende Menschen aus Kleinstädten wie Koło, Dąbie und Kłodawa sowie aus dem Ghetto Łódź nach Kulmhof deportiert und ermordet. Auch Roma, polnische Zivilisten und sowjetische Kriegsgefangene waren unter den Opfern. Im April 1943 stellte die SS den Betrieb vorübergehend ein, sprengte das Gutshaus und versuchte, die Spuren des Verbrechens zu beseitigen.
Zweite Phase (1944–1945)
Im Juni 1944 wurde das Lager erneut aktiviert, diesmal im Zusammenhang mit der Liquidierung des Ghettos Łódź. Innerhalb weniger Wochen wurden mehrere tausend Menschen nach Kulmhof gebracht und ermordet. Im Januar 1945, kurz vor dem Eintreffen der Roten Armee, erschoss die SS die letzten Gefangenen oder verbrannte sie in einer Scheune.
Fluchten und Zeugnisse
Besonders wertvoll für die Geschichtsschreibung sind die Berichte von Häftlingen, denen die Flucht gelang. Insgesamt sollen bis zu sieben Gefangene entkommen sein. Drei von ihnen sind namentlich bekannt:
Szlama Ber Winer, der unter dem Namen Yakov Grojanowski den sogenannten Grojanowski-Report verfasste. Er schilderte darin erstmals detailliert den Ablauf der Morde und übermittelte die Informationen an die Widerstandsgruppe Oneg Shabbat im Warschauer Ghetto.
Mordechaï Podchlebnik, der nach seiner Flucht wichtige Zeugenaussagen bei Prozessen gegen die Täter ablegte.
Szymon Srebrnik, der trotz schwerer Verwundung überlebte und in den 1960er-Jahren ein zentraler Zeuge in mehreren Gerichtsverfahren wurde, unter anderem im Eichmann-Prozess.
Diese Berichte sind bis heute eine der wichtigsten Quellen über die perfide Organisation des Massenmordes in Kulmhof.
Zeugnis von Shimon Srebrnik – Persönliches Zeitzeugen-Video.
Opferzahlen und Bedeutung
Die Zahl der Opfer wird auf rund 200.000 geschätzt. Kulmhof war ein frühes Modelllager für den industriellen Massenmord. Erfahrungen, die Täter wie Lange und Bothmann dort sammelten, wurden später in anderen Vernichtungslagern umgesetzt.
Kulmhof heute – Gedenkstätte und Lernort
Heute befindet sich am Standort eine würdige Gedenkstätte. Auf dem Gelände des ehemaligen Gutshofes sowie im Rzuchowski-Wald finden Besucher Gedenksteine, Informationstafeln und ein Lapidarium. Das Museum zeigt Exponate, vermittelt die Geschichte des Lagers und dient als Lernort für kommende Generationen.
Durch unsere enge Zusammenarbeit mit dem Museum in Chełmno und zahlreiche eigene Besuche vor Ort können wir unseren Gästen einen authentischen und respektvollen Zugang zu diesem Erinnerungsort bieten. Ergänzend stellen wir eine große Auswahl an eigenen Fotos zur Verfügung, die die Eindrücke vertiefen.

















Ein Besuch in Kulmhof, Chełmno nad Nerem, bedeutet nicht nur, einen historischen Ort zu betreten. Er ist zugleich eine Begegnung mit den Spuren von über 200.000 Opfern, ein Innehalten inmitten von Stille und den Überresten des einstigen Vernichtungsortes.
Die Gedenkstätte Kulmhof versteht sich heute als Ort des Erinnerns und Lernens. Sie vermittelt Wissen über die Geschichte des ersten nationalsozialistischen Vernichtungslagers und mahnt zugleich an die Verantwortung, dass sich Verbrechen dieser Art niemals wiederholen dürfen.
Quellenangaben:
- Gedenkstätte Sobibór – Staatliches Museum Majdanek
- United States Holocaust Memorial Museum (USHMM): „Sobibor Death Camp“
- Yad Vashem – Internationale Holocaust-Gedenkstätte, Jerusalem
- Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): „Aktion Reinhardt und die Vernichtungslager“
- Literatur: Jules Schelvis, Sobibor. Ein Vernichtungslager im Rahmen der Aktion Reinhardt, Metropol Verlag