KL Auschwitz - Geschichte und Chronologie

Geschichte und Chronologie des Konzentrationslagers Auschwitz

Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz gilt bis heute als eines der zentralen Symbole für die nationalsozialistische Terrorherrschaft und den Holocaust. Zwischen 1940 und 1945 wurden hier über 1,1 Millionen Menschen systematisch ermordet – vor allem Juden aus nahezu allen besetzten Ländern Europas, daneben auch Polen, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene sowie politische Gegner und andere Verfolgte.

Die Geschichte von Auschwitz verdeutlicht die schrittweise Entwicklung von einem ursprünglich als Haft- und Terrorinstrument gegen die polnische Bevölkerung gedachten Lager hin zu einem der größten Orte industriell organisierter Massenvernichtung. Die Chronologie umfasst die Errichtung von Auschwitz I (Stammlager) im Jahr 1940, den Ausbau zu Auschwitz II – Birkenau als Vernichtungslager ab 1941 sowie die Einrichtung von Auschwitz III – Monowitz als Zwangsarbeitslager.

Haupttor des Stammlagers Auschwitz mit dem Schriftzug ‚Arbeit macht frei‘
Haupttor des Stammlagers mit dem berüchtigten Schriftzug ‚ARBEIT MACHT FREI‘.

Auschwitz I – Stammlager

Das erste Lager, später „Stammlager“ oder Auschwitz I genannt, entstand im Mai/Juni 1940 auf einem ehemaligen Kasernengelände der österreichischen Armee, das zuletzt von der polnischen Armee genutzt worden war. Hier wurden zunächst polnische Geiseln, Widerstandskämpfer und Angehörige der polnischen Intelligenz inhaftiert und vielfach ermordet. Ziel war die Einschüchterung und Unterdrückung der polnischen Bevölkerung.

Ab 1941 kamen sowjetische Kriegsgefangene hinzu, die in abgesperrten Blöcken festgehalten und beim Bau des Lagers Birkenau eingesetzt wurden. Ab 1942 existierte auch ein Frauenlager im Stammlager. Bis 1943 wuchs die Zahl der Häftlinge auf etwa 20.000, die in nahegelegenen SS-Betrieben, Werkstätten, landwirtschaftlichen Betrieben und Versuchsanstalten Zwangsarbeit leisten mussten.

Die Lebensbedingungen waren menschenunwürdig, geprägt von Hunger, Misshandlungen und Seuchen wie Typhus oder Cholera. Besonders berüchtigt war Block 10, in dem SS-Ärzte wie Josef Mengele oder Carl Clauberg grausame Menschenversuche an Häftlingen durchführten, darunter Sterilisationsversuche und pseudomedizinische Experimente. Block 11 diente als Straf- und Folterblock. Zwischen Block 10 und 11 befand sich die sogenannte „Schwarze Wand“, an der tausende Gefangene erschossen wurden.

Im September 1941 erprobte die SS erstmals die Verwendung von Zyklon B zur Tötung von Menschen. Rund 600 sowjetische Kriegsgefangene und 250 weitere Häftlinge wurden in einer provisorischen Gaskammer ermordet. Damit begann die Entwicklung Auschwitz zum Vernichtungslager.

Im Januar 1945 wurden etwa 16.000 Häftlinge aus Auschwitz I auf Todesmärsche getrieben; nur wenige überlebten. Rund 1.000 zurückgelassene, meist schwerkranke Gefangene erlebten am 27. Januar 1945 die Befreiung durch die Rote Armee.

Todeswand zwischen Block 10 und 11 im Stammlager Auschwitz
Die Todeswand zwischen Block 10 und 11 im Stammlager Auschwitz, ein Ort, an dem zahlreiche Häftlinge ermordet wurden.

Der Lagerkomplex umfasste drei Hauptlager sowie zahlreiche Nebenlager:

  • Auschwitz I – Stammlager: Das erste Lager und Verwaltungszentrum des gesamten Komplexes.
  • Auschwitz II – Birkenau: Das größte Vernichtungslager, in dem über eine Million Menschen ermordet wurden.
  • Auschwitz III – Monowitz: Ein Zwangsarbeitslager für die deutsche Rüstungsindustrie, in dem Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen eingesetzt wurden.

Zusätzlich existierten 39 weitere Außen- und Nebenlager, die eng in das System der Ausbeutung und Vernichtung eingebunden waren.

Auschwitz II – Birkenau

Bereits im Oktober 1941 begann mit dem Einsatz sowjetischer Kriegsgefangener der Bau von Auschwitz II – Birkenau, drei Kilometer westlich des Stammlagers auf dem Gebiet des Dorfes Brzezinka (deutsch: Birkenau). Die Einwohner wurden vertrieben, umliegende Dörfer zerstört. Birkenau sollte zu einem riesigen Lagerkomplex für bis zu 200.000 Gefangene ausgebaut werden.

Am 20. Januar 1942 fand die Wannsee-Konferenz statt. Dort wurde der Holocaust nicht beschlossen – dieser war bereits zuvor von Hitler und Himmler initiiert worden – sondern die praktische Durchführung der „Endlösung“ koordiniert. Vertreter von Ministerien und SS-Behörden legten die Zuständigkeiten für die Deportationen und Massenmorde fest. Auschwitz-Birkenau spielte in dieser Vernichtungsmaschinerie eine zentrale Rolle.

Zunächst nutzte die SS zwei umgebaute Bauernhäuser (Bunker I und II) als provisorische Gaskammern. Zwischen Frühjahr und Sommer 1943 wurden vier große Krematorien mit Gaskammern fertiggestellt. Damit verfügte die SS über regelrechte Todesfabriken, in denen täglich tausende Menschen vergast und anschließend in den Öfen oder offenen Gruben verbrannt wurden.

Die Opfer stammten aus ganz Europa: Juden aus Polen, Ungarn, Deutschland, Frankreich, Griechenland, den Niederlanden, Italien, Belgien, Rumänien, Jugoslawien und weiteren Ländern. Insgesamt wurden in Birkenau etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet, die allermeisten von ihnen Juden.

Birkenau war in verschiedene Lagerbereiche unterteilt:

  • das Männerlager (B Ia),

  • das Frauenlager (B Ib),

  • das „Familienlager Theresienstadt“ (B IIb),

  • das Zigeunerlager (B IIe) für Sinti und Roma,

  • sowie das Krankenlager und Quarantänebereiche.

Die Lebensbedingungen waren katastrophal: Überfüllung, Hunger, Gewalt und Krankheiten führten zu massenhaftem Sterben.

Haupttor von Auschwitz-Birkenau, auch Todestor genannt
Haupttor des Lagers Birkenau (Auschwitz II), auch als Todestor bekannt

Trotz aller Unterdrückung existierte auch in Auschwitz Widerstand. Am 7. Oktober 1944 organisierte das jüdische Sonderkommando einen Aufstand. Mit eingeschmuggeltem Sprengstoff zerstörten sie Teile des Krematoriums IV. Der Versuch einer Flucht scheiterte, etwa 250 Häftlinge wurden getötet – doch der Aufstand gilt als wichtiges Symbol des Widerstandes.

Aufgrund des Vormarsches der Roten Armee befahl Himmler im November 1944 die Einstellung der Vergasungen und die Zerstörung der Gaskammern und Krematorien. Im Januar 1945 trieb die SS rund 60.000 Häftlinge auf Todesmärsche Richtung Westen; etwa 15.000 starben unterwegs. Am 27. Januar 1945 befreite die 60. Armee der Roten Armee etwa 7.000 Überlebende in Auschwitz-Birkenau.

Auschwitz III – Monowitz

Ab 1942 entstand mit Auschwitz III – Monowitz ein Lagerkomplex, der hauptsächlich der Zwangsarbeit diente. Kern war das „Arbeitslager Monowitz“, das in unmittelbarer Nähe zu den Industrieanlagen der IG Farben errichtet wurde. Hier sollte synthetischer Kautschuk („Buna“) sowie Treibstoff hergestellt werden.

Für den Bau und den Betrieb der Werke setzte die IG Farben massenhaft KZ-Häftlinge ein, die unter katastrophalen Bedingungen schuften mussten. Monowitz war von Beginn an als Arbeitslager organisiert, doch Hunger, Erschöpfung, Krankheiten und Misshandlungen führten zu extrem hohen Sterblichkeitsraten.

Das Lager bestand aus mehreren Baracken, umgeben von einem Stacheldrahtzaun mit Wachtürmen. Die Häftlinge arbeiteten in Schichten bis zur völligen Entkräftung. Wer nicht mehr einsatzfähig war, wurde häufig nach Birkenau transportiert und dort ermordet.

Monowitz war jedoch nicht allein: Zum Lagerkomplex Auschwitz III gehörten 49 Neben- und Außenlager. Diese befanden sich in der Region Oberschlesien und versorgten verschiedene Betriebe, Bergwerke und Fabriken mit Zwangsarbeitern. Neben IG Farben profitierten auch andere deutsche Firmen von der Ausbeutung der KZ-Häftlinge.

Krematorium des KZ Blechhammer mit Wachturm
Krematorium des ehemaligen KZ Blechhammer mit Wachturm, Außenlager des Komplexes Auschwitz III

Bis Sommer 1944 waren über 10.000 Zwangsarbeiter, überwiegend Juden, im Lager Monowitz untergebracht. Am 18. Januar 1945 wurde das Lager evakuiert, die Überlebenden auf Todesmärsche getrieben. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee etwa 650 völlig entkräftete Häftlinge, die zurückgeblieben waren.

Nach dem Krieg wurden führende Manager der IG Farben im Rahmen der Nürnberger Nachfolgeprozesse für ihre Mitverantwortung an Zwangsarbeit und Kriegsverbrechen angeklagt. Die Prozesse machten deutlich, dass auch die Industrie aktiv in die Verbrechen des NS-Regimes eingebunden war, obwohl die Strafen meist vergleichsweise mild ausfielen.

Chronologie des Konzentrationslagers Auschwitz

1935

Vorbereitung und antisemitische Gesetze

15.09.1935 – Reichsparteitag in Nürnberg

Der Reichstag verabschiedet die Nürnberger Gesetze:

  • Reichsbürgergesetz: Juden verlieren politische Rechte, dürfen nicht mehr wählen oder öffentliche Ämter bekleiden.

  • Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre: Verbot von Ehen und Beziehungen zwischen Juden und „Deutschblütigen“.
    Die Gesetze legalisieren die systematische Diskriminierung und Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung.

Jüdische Menschen bei der zwangsweisen Umsiedlung ins Ghetto
Jüdische Menschen während der zwangsweisen Deportation durch das nationalsozialistische Regime.

1938

09.11.1938

„Reichskristallnacht“. Staatlich organisierter Pogrom gegen Juden in Deutschland. Zerstörung von Synagogen, Geschäften und Wohnhäusern. Verhaftung von über 26 000 männlichen Juden und Einweisung in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen.

1939

30.01.1939

Hitler prophezeit vor dem Reichstag für den Fall eines Krieges „die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“.

1940

Gründung des Lagers Auschwitz

27. April

Nach einer Reihe von Inspektionen verschiedener Objekte verfügt der Reichsführer-SS Heinrich Himmler, in Oswiecim, welches mittlerweile den Namen Auschwitz trug, auf dem Gelände einer ehemaligen polnischen Artilleriekaserne ein Konzentrationslager einzurichten.

30. April

SS-Hauptsturmführer Rudolf Höss kommt mit fünf SS- Leuten in Auschwitz an und richtet sogleich eine Bauleitung für das KZ ein. Leiter der Bauleitung ist der SS- Unterscharführer Schlachter.

Stacheldrahtumzäunung im Stammlager, rechts Heftingblocks, links Gebäude der Kommandantur
Stacheldrahtumzäunung im Stammlager. Rechts Heftingblocks, links Gebäude der Kommandantur.

4. Mai

Reichsführer SS, Heinrich Himmler, ernennt Rudolf Höß zum Lagerkommandanten.

20. Mai

Erster Gefangenentransport trifft in Auschwitz ein. Dieser erste Transport bestand aus 30 Häftlingen aus dem KZ Sachsenhausen, die unter Aufsicht des SS- Hauptscharführer Gerhard Palitzsch den Kern der Funktionshäftlinge im künftigen Lager bilden sollten.

14. Juni

Erster Transport von 728 polnischen politischen Gefangenen und einigen Juden aus dem Gefängnis Tarnow trifft in Auschwitz ein. Der 14. Juni wurde 2006 vom polnischen Parlament zum nationalen Gedenktag für die polnischen Opfer der Nazikonzentrationslager erklärt.

22. November

Bei der ersten Exekution durch Erschießung sterben 40 Polen.

1941

Ausbau und industrielle Nutzung

26. Februar

Am 26. Februar 1941 erreichte der IG-Farben-Direktor Carl Krauch beim Reichsführer SS, Heinrich Himmler, die Anordnung zum Bau eines Buna-Werkes bei Auschwitz. Dieses Werk war Teil des großangelegten Programms der IG Farben zur Produktion von synthetischem Kautschuk und Treibstoff. Für den Bau und den späteren Betrieb sollten in erheblichem Umfang KZ-Häftlinge eingesetzt werden. Mit dieser Entscheidung begann die enge organisatorische Verbindung zwischen dem Konzentrationslager Auschwitz und dem Industriekomplex der IG Farben, die in den folgenden Jahren zu einem bedeutenden Zentrum von Zwangsarbeit führte.

Häftlingsblock 11 mit Bunker und Standgericht
Keller des Block 11 im Stammlager Auschwitz I. Am 3. September 1941 fand hier der erste dokumentierte Vergasungsversuch mit Zyklon B statt.

Als Reaktion auf die Flucht eines Häftlings verurteilt der Lagerkommandant Rudolf Höss zum ersten Mal 10 Häftlinge zum Hungertod.

6. Juni

Erster Transport tschechischer politischer Häftlinge. Anfang der Deportationen von nicht Polen nach Auschwitz.

3. September

Erster Vergasungsversuch mit Zyklon B in den zuvor abgedichteten Arrestzellen des Kellers im Blocks 11 des Stammlagers. Dabei werden 600 russische Kriegsgefangene und 298 kranke Häftlinge ermordet.

8. Oktober

Zwei Kilometer vom Stammlager entfernt beginnt der Bau des Lagers Birkenau für zunächst 50.000 Häftlinge, geplant ist eine Ausbaukapazität von bis zu 200.000 Insassen. Später werden insgesamt 45 Zwangsarbeitslager in der Umgebung gebaut.

11. November

Bei der ersten Exekution an der Todeswand erschießt die SS 151 polnische Häftlinge.

1942

Beginn der systematischen Vernichtung

Januar

In Birkenau wird die erste provisorische Gaskammer in Betrieb genommen. Es handelt sich um ein umgebautes Bauernhaus, das in den Quellen als „Rotes Haus“ oder „Bunker I“ bezeichnet wird. Es fasste rund 800 Personen. Im Mai desselben Jahres folgte ein zweites, größeres Gebäude, das sogenannte „Weiße Haus“ oder „Bunker II“, mit einer Kapazität von etwa 1.200 Menschen. Beide Gebäude dienten zunächst als Übergangslösung, bis die großen Krematorien mit Gaskammern fertiggestellt waren.

Die Opfer wurden mit Kohlenmonoxid- und Zyklon-B-Gas ermordet. Die Leichen brachte man entweder zur Verbrennung ins Krematorium des Stammlagers Auschwitz oder verscharrte sie in Massengräbern in der Nähe von Birkenau. Später begann man damit, die Gräber zu öffnen und die Leichen auf großen Scheiterhaufen im Freien zu verbrennen, um Spuren zu beseitigen.

Holzbaracken im Bauabschnitt BIIa in Birkenau für Neuankömmlinge
Holzbaracken des Männer-Quarantänelagers in Birkenau (BIIa)

1. März

Das Lager Auschwitz II–Birkenau wird „eröffnet“. Ursprünglich für 100.000 sowjetische Kriegsgefangene vorgesehen, entwickelt es sich rasch zum zentralen Ort der Massenvernichtung.

11. März

Vertreter der IG-Farbenkonzern besichtigen das Lager in Birkenau.

März

Beginn der Deportation von 27.00 Juden aus der Slowakei und 69.000 Juden aus Frankreich nach Auschwitz.

4. Mai

In der Isolierstation des KL Auschwitz-Birkenau führt ein SS-Sanitätsdienstgrad (SDG) die erste (bekannte) Selektion von kranken Häftlingen durch. Es beginnt die systematische Vernichtung, wer als nicht arbeitsfähig gilt, wird unmittelbar ermordet.

12. Mai

Bei der ersten genau datierten Massenvergasung im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau werden 1500 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus dem benachbarten polnischen Ort Sosnowiec ermordet.

Mai

Die Eisenbahnrampe an welcher die Transporte mit Häftlingen ankommen, die sog. Judenrampe zwischen den Lagern Auschwitz I und Auschwitz II-Birkenau, wird in Betrieb genommen.

Mai

Beginn der Deportation von 300.000 polnischen Juden und 23.000 Juden aus Deutschland und Österreich.

4. Juli

Es wird ein Sonderkommando gebildet, das aus mehreren Dutzend jüdischer Häftlinge besteht. Sie müssen in der Nähe der Bunker Gräben ausheben und die in den Gaskammern Getöteten vergraben. Das Kommando ist von den anderen Häftlingen völlig isoliert.

17. Juli

Heinrich Himmler besichtigt vom 17.-18. Juli das KZ Auschwitz.

6. August

Alle weiblichen Häftlinge aus dem Stammlager werden nach Birkenau in den Abschnitt BI a verlegt.

15. August

Im Büro der Zentralbauleitung wird der Plan eines neuen Krematoriumstyps ausgearbeitet, nach dem die nächsten Krematorien IV und V im Bereich des KL Birkenau gebaut werden sollen.

19. August

Der Vertreter der Firma J. A. Topf u. Söhne aus Erfurt, Oberingenieur Prüfer trifft sich mit Vertretern der Zentralbauleitung zu Gespräche über den Bau von Krematoriumsöfen zur Einäscherung von Leichen.

26. August

Das SS-WVHA erteilt der Lagerleitung eine weitere Fahrgenehmigung für 1 LKW Zyklon B aus Dessau mit der Begründung: Sonderbehandlung

31. August

Bei der ersten Exekution an der Todeswand erschießt die SS 151 polnische Häftlinge.

Die ersten 2.000 Häftlinge werden in das neu errichtete Nebenlager Auschwitz-Monowitz direkt neben der Buna-Fabrik verlegt.

1943

Ausbau von Auschwitz-Birkenau und Beginn der Massenvernichtung

26. Februar

Errichtung des sog. Zigeunerfamilienlagers für Sinti und Roma Familien in Birkenau.

5. März

In Gegenwart von Mitarbeitern der Firma Topf & Söhne (Prüfer; Schultze) findet eine Probeverbrennung von 45 Leichen sowie eine Einweisung der SK-Häftlinge in die Bedienung der Verbrennungsöfen statt.

März

Beginn der Deportation von 55.000 Juden aus Griechenland.

Historisches Symbolbild sowjetischer Kriegsgefangener unter deutscher Bewachung während des Zweiten Weltkriegs
Sowjetische Kriegsgefangene. Im Oktober 1941 wurden ca. 15.000 Gefangenen nach Auschwitz deportiert. Sie waren unter anderem für Bauarbeiten in Auschwitz II (Birkenau) eingesetzt, wobei die meisten innerhalb weniger Monate unter den brutalen Bedingungen starben.

28. Juni

In einer Meldung vom 28.06.1943 teilt Bischoff dem Leiter der Amtsgruppe C (Bauwesen) des WVHA SS- Obergruppenführer und General der Waffen-SS Hans Kamınler mit:
Der Bau des Krematoriums III ist abgeschlossen, täglich können nun in 5 Krematorien insgesamt 4.756 Leichen verbrannt werden.

Oktober

Beginn der Deportation von 7.500 Juden aus Italien.

31. Dezember

Laut überlieferter „Belegstärke“- und „Arbeitsein- satzlisten“ lebten am 31. Dezember 1943 insgesamt 29.513 weibliche Häftlinge in Auschwitz-Birkenau, davon galten 8.266 als krank bzw. „arbeitsunfähig“.

1944

Höhepunkt der Massenmorde und Aufstände im Lager Birkenau

5. April

Obersturmführer Gerstein fordert schriftlich von der Dgesch eine sofortige Sendung von 5 Tonnen ZyklonB.

11. April

Nach neuntägiger Fahrt trifft in abgeriegelten Güterwaggons ein Transport mit 2.500 Juden im KL Auschwitz ein. Dieser Transport kommt aus Athen. Nach der „Selektion“ werden 328 Frauen und 320 Männer als Häftlinge registriert. Etwa 1.850 Menschen werden der „Sonderbehandlung“ zugeführt. Einer der deportierten, ist der ehemalige Griechische Marineoffizier Errera Alberto aus Larissa (* 1913 in Thessaloniki). Er wird dem jüdischen Sonderkommando zugeteilt. Von Errera stammen die einzigartigen Fotoaufnahmen von den Leichenverbrennungen, heimlich aufgenommen und aus dem Lager geschmuggelt.

Rampe in Auschwitz-Birkenau mit Güterwaggon und Eingangstor
Rampe in Auschwitz-Birkenau, zentraler Ort der Selektion der deportierten Menschen. Im Vordergrund ein Güterwaggon, im Hintergrund das Eingangstor (Todestor).

16. Mai

Eisenbahnrampe innerhalb des Lagers wird in Betrieb genommen, diese “ermöglicht” den Transport direkt bis vor die Gaskammern II und III. Beginn der Deportation von 438.000 Juden aus Ungarn, 85 Prozent werden sofort getötet.

28. Juli

Ein Bericht der Abteilung „Arbeitseinsatz“ dokumentiert die Zusammensetzung des Sonderkommandos an einem einzelnen Tag. Demnach arbeiteten die Häftlinge in 24-Stunden-Schichten, aufgeteilt in zwei Gruppen zu je 12 Stunden:

  • Krematorium II: 110 Häftlinge in der Tagesschicht, 104 in der Nachtschicht

  • Krematorium III: 110 Häftlinge in der Tagesschicht, 104 in der Nachtschicht

  • Krematorium IV: 110 Häftlinge in der Tagesschicht, 109 in der Nachtschicht

  • Krematorium V: 110 Häftlinge in der Tagesschicht, 110 in der Nachtschicht

  • Zusätzlich: 30 Häftlinge beim Entladen von Holz im Bereich der Krematorien IV und V, wo Leichen auch in offenen Gruben verbrannt wurden.

3. August

In der Nacht vom 2. auf den 3. August wird im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau das sogenannte Familienzigeunerlager liquidiert, die SS ermordet in den Gaskammern fast 3.000 Sinti und Roma.

12. August

Beginn der Deportation von 13.000 Polen, die bei Massenverhaftungen nach Ausbruch des Warschauer Aufstandes festgenommen wurden.

August

Beginn der Deportation von 67.000 Juden aus dem Ghetto Litzmannstadt.

7. September

Ein Bericht der Abteilung „Arbeitseinsatz“ weist für den 7. September 1944 in allen Birkenauer Krematorien für Tag- und Nachtschicht zusammen 874 Häftlinge als „Heizer Krematorien“ aus.

3. Oktober

Laut überlieferter „Belegstärke“- und „Arbeitseinsatzlisten“ waren am 03. Oktober insgesamt 43.462 weibliche Häftlinge in Auschwitz-Birkenau inhaftiert.

7. Oktober

Unter den Häftlingen des Sonderkommandos, das in den Krematorien die Leichen verbrennen muss, bricht ein Aufstand aus. Drei SS-Männer und 451 Häftlinge des Sonderkommandos werden getötet.

20. Oktober

Im Jahre 1961 fand man die Aufzeichnungen des Juden Salmen Lewenthal vergraben im Boden neben eines der Krematorien. Salmen Lewenthal war einer der jüdischen Männer die in einem “Sonderkommando” arbeiteten. Er hatte seine Erlebnisse in einem Buch festgehalten und in weiser Voraussicht vergraben. Salmen Leventhal berichtet hier von den Geschehnissen am 20. Oktober 1944 als etwa 600 Kinder zu einem der Krematorien geführt werden.

2. November

Einstellung des allgemeinen Tötens mit Giftgas. Selektierte Haftlinge werden von nun an vor dem Krematorium V oder in den Gaskammern erschossen.

6. November

Am 06.11.1944 erschießt der SS-Oberscharführer Boger Wilhelm zusammen mit SS-Oberscharführer Erber Josef (bis 1944 Josef Houstek) mindestens 100 Häftlinge des Jüdischen Sonderkommandos per Genickschuß.

25. November

Himmler ordnet die Demontage des Vernichtungslagers an. Die Demontage beginnt mit dem Ausbau der Vakuumpumpen aus der Gaskammer 2, mit der die Gase nach dem Mordvorgang abgesaugt wurden. Die Maschine geht nach Mauthausen, die Rohre nach Groß-Rosen.

1945

Evakuierung, Todesmärsche und Befreiung

15. Januar

Am Abriss der Krematorien II und III wird noch gearbeitet. Das Krematorium V ist noch in Betrieb und beschäftigt 30 Häftlinge mit der Einäscherung von Leichen.

17. Januar

Die Häftlinge des Sonderkommandos traten an diesem Tag zum letzten Abendappell im Lager an. Insgesamt nahmen am 17. Januar beim „letzten Lagerappell“ 67.012 Häftlinge teil. In den Tagen nach dem 17. Januar 1945 wurden etwa 58.000 Häftlinge unter der Aufsicht von SS-Männern evakuiert.

Todesmarsch
Um 16:00 Uhr am 17. Januar setzen sich die ersten Trecks Richtung Westen und Südwesten in andere Lager in Bewegung, für Tausende wird es der Marsch in den Tod.

Überreste der Effektenbaracken Kanada in Auschwitz-Birkenau
Reste der Effektenbaracken ‚Kanada‘ in Auschwitz-Birkenau. Die Gebäude, in denen das Eigentum der deportierten Menschen gesammelt wurde, wurden kurz vor der Evakuierung des Lagers in Brand gesteckt.

19. Januar

Um ein Uhr am 19. Januar kommt der Befehl für den Aufbruch des letzten Zuges – er besteht aus 3.900 ausgemergelten Menschen.

22. Januar

Der Höhere SS Polizeiführer Oberschlesien SS-Obergruppenführer Heinrich Schmauser erhält den Befehl zur endgültigen Liquidation des KZ Auschwitz – Birkenau. Noch einmal beginnen Erschießungen. Die Sondereinheiten der SS töten etwa 700 Gefangene.

23. Januar

30 Magazinbaracken im Effektenlager werden angezündet. Nach der Befreiung sind sechs Baracken mit Kleidern der ermordeten Häftlinge erhalten geblieben. In diesen wurden 1.185.345 Stück Herren und Damenoberbekleidung, 43.255 paar Schuhe 13.694 Teppiche und eine grose Anzahl Zahnbürsten, Rasierpinsel, Prothesen und Brillen gefunden.

26. Januar

Das letzte Krematorium – Gaskammer wird gesprengt.

27. Januar

Morgens, Sprengung des Krematoriums IV.

Befreiung
Am Nachmittag des 27. Januar 1945 gegen 15 Uhr trafen erste Einheiten der 60. Infanterie-Division der 1. Ukrainischen Front am Stammlager Auschwitz I ein. Kurz darauf erreichten die Sowjets auch Auschwitz II Birkenau. Sie fanden noch etwa 7.600 Häftlinge vor, völlig entkräftetete und kranke Frauen und Männer sowie 180 Kinder. In den ersten Tagen nach der Befreiung starben noch 222 Häftlinge.

28. Februar

Aufgrund der Wetterbesserung wurden 470 verstorbene (darunter 222 Häftlinge die nach der Befreiung verstoben waren) auf einen kleinen Friedhof außerhalb des Lagers feierlich beigesetzt.

7. März

Am 7. März 1945 fand die Kommission in der Gerberei des Lagers Auschwitz 293 Ballen Frauenhaare, die zusammen 7.000 kg wogen. Der Sachverständige der Kommission stellte fest, dass die Haare 140.000 Frauen abgeschnitten worden waren.

1947

Nach dem Krieg: Aufarbeitung und Gedenken (1947–1967)

Am 2. Juni 1947, zwei Jahre nach der Befreiung, wurde im ehemaligen Vernichtungslager auf Beschluss des polnischen Parlaments eine Gedenkstätte als Mahnmal für künftige Generationen errichtet. Auschwitz wurde zum wichtigsten Symbol für den Holocaust.

Seit 1960 — befinden sich im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz I, dem Stammlager, die so genannten „Nationalausstellungen“.

1962 — wurde eine Schutzzone um das Museum festgelegt, um den historischen Zustand des Lagers zu erhalten. Diese Zonen wurden 1999 als Gesetz durch das polnische Parlament bestätigt.

Gedenkhinweis zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust
2005 wurde von den Vereinten Nationen der 27. Januar zum Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust ernannt.

1967 — wurde auf dem Gebiet von Auschwitz II zwischen den Krematorien das erste größere Denkmal, das Internationale Mahnmal für die Opfer des Faschismus, eingeweiht.

Übersicht der Opferzahlen

Opfergruppe

Juden

Polen

Sinti u.Roma

Sow. Kriegsg.

Andere

Gesamt

Deportierte

1.100.000

150.000

23.000

15.000

15.000

ca. 1,3 Mio

Opfer

1.000.000

75.000

21.000

15.000

5.000

ca. 1,1 Mio

Herkunft der jüdischen Häftlingen:

– 430.000 aus Ungarn
– 300.000 aus Polen
– 69.000 aus Frankreich
– 60.000 aus der Niederlande
– 55.000 aus Griechenland
– 46.000 aus Tschechien
– 27.000 aus der Slowakei
– 25.000 aus Belgien
– 23.000 aus Österreich/Deutschland
– 10.000 aus Jugoslawien
– 7.500 aus Italien
– 700 aus Norwegen
– 34.000 aus anderen Staaten

Bildungsreisen Geschichte

Gedenk- und Bildungsreisen zu den Orten der Shoah.